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Valentino Balboni hat einen der begehrtesten Berufe der Welt: Er ist Testfahrer bei Lamborghini und das seit über 40 Jahren. Der wohl bekannteste Werkfahrer der Gegenwart erzählt während einer Fahrt durch das Hinterland von Bologna von seinem Traumjob, dem Sound der Zwölfzylinder-Motoren und von der Faszination Lamborghini.
![]() Es ist acht Uhr morgens, die Sonne durchbricht mühsam den Frühnebel, der matt über der Emilia Romagna hängt. Stille liegt über den Hügeln und Dächern, heute ist kein Markttag, Kirchgänger sind ebenfalls nicht zu sehen. Es herrscht beinah völlige Ruhe – wäre da nicht dieses entfernte Grummeln, das mit jeder Sekunde anschwillt und jetzt zu einem atemberaubenden, infernalischen Donnern anhebt. Einmal, zweimal, dreimal brausen die zwölf Zylinder des Miura SV auf, als Valentino Balboni mit Zwischengas herunterschaltet. Der Vierlitermotor brüllt wie ein Stier, die 385 PS hämmern hinter den Sitzen, der Auspuff lärmt wie eine ambitionierte Heavy-Metal-Band. Balboni, in den Sitz gedrückt, grinst zufrieden: „Ich habe nie verstanden, warum es Autoradios gibt. Die Musik des Motors ist doch die schönste, die es gibt.“ VOM HILFSARBEITER ZUM TESTFAHRER ![]() ![]() Seit fast 40 Jahren testet Balboni jedes neue Lamborghini Modell – angefangen vom Miura über den nicht minder legendären Countach bis zum Gallardo LP 560-4 Spyder, der im Sommer 2009 auf den Markt kommt. „Der Miura ist aber immer mein Favorit geblieben“, sagt er. Denn mit ihm war er zum allerersten Mal allein auf der Straße unterwegs: „Ich war 23, die Schranke des Werkgeländes ging auf, die Septembersonne schien und vor mir die Freiheit der Straße – so etwas vergisst man nie.“ Balboni, der von sich sagt, dass er alle Lamborghini Modelle am Motorenklang erkennt, weiß, dass ihn jeder Autoliebhaber um seinen Beruf beneidet. Aber er weiß auch, dass die Zeiten sich geändert haben: „Früher haben wir die Autos auf der Landstraße entwickelt und hatten dabei so viel Spaß wie irgend möglich. Heute gibt es das nicht mehr – aber ich habe großen Respekt vor den jungen Fahrern und ihrer Verantwortung.“ Mit zwei Testfahrern der neuen Generation hat sich Balboni am Marktplatz des kleinen Städtchens Crevalcore verabredet, unweit des Lamborghini Firmensitzes Sant’Agata Bolognese. Als Giorgio Sanna im schwarzen Murciélago und Mario Fasanetto mit einem schneeweißen Gallardo gegenüber der Kirche einparken, bildet sich sofort eine Menschentraube: Teenager zücken ihre Fotohandys, knipsen die Autos von allen Seiten, alte Männer drehen mit glänzenden Augen den Hut in den Händen. Ob Alt oder Jung – die sinnlichen Formen eines Lamborghini lassen niemanden kalt. ![]() TRAUMSPORTWAGEN DER SECHZIGERJAHRE |
![]() IM TROCKENEN, IM REGEN, AUF SCHNEE „Ciao! Come stai?“, begrüßen die beiden jüngeren Testfahrer Valentino Balboni. In einem Café unter den steinernen Arkaden bestellt Mario Fasanetto für sich und seine Kollegen drei Espressi. Der 43-jährige Werkfahrer begann als Mechaniker und setzte acht Jahre lang die V12-Motoren des Countach zusammen, bevor er anfing, in Sachen Geschwindigkeitsrausch um den Globus zu reisen. Ob auf den Eispisten Skandinaviens oder in der Wüste von Kalifornien – Fasanetto und Sanna sind weltweit unterwegs. Anders als ihr Lehrmeister Balboni. „Früher wurde zu 95 % auf offener Straße getestet, heute zu 95 % auf der abgesperrten Rennstrecke“, erklärt Fasanetto. „Es herrscht zu viel Verkehr, und die Autos sind schneller geworden. Bei Geschwindigkeiten von 350 Kilometern pro Stunde gibt es nur die Rennstrecke.“ ![]() UNTER DEN ARKADEN IN CREVALCORE
Valentino Balboni im Gespräch mit Mario Fasanetto und Giorgio Sanna (v.l.). Im Hintergrund ein roter Lamborghini 350 GT. Auch für Giorgio Sanna ist Verantwortung ein zentraler Aspekt seines Berufs. Der 33-Jährige ist seit 2001 Testfahrer bei Lamborghini und nimmt den Fuß auch am Wochenende nicht vom Gaspedal. Als Rennfahrer tritt er in der italienischen Tourenwagenmeisterschaft für die Lamborghini Mutter Audi an. Außerdem hält er mehr als ein Dutzend internationaler Geschwindigkeitsrekorde. „Wir müssen bei der Abstimmung eines Lamborghini immer so nah wie möglich am echten Rennwagen sein und reizen die Motoren bei den Testfahrten oft bis zum Allerletzten aus – bei über 600 PS braucht man da ein gewisses Können“, sagt der gebürtige Römer selbstbewusst. „Aber es geht nicht nur darum, schnell zu fahren. Verantwortlich mit Entwicklungszeit und Kosten umzugehen, spielt eine größere Rolle als früher.“ Auch die Messtechnik hat sich verändert, da stimmen alle drei zu: „Früher hing alles am Fahrer. Da kam es nur auf mein Gefühl an – nicht auf Computer und Data-Logger“, erinnert sich Balboni lachend. Das will die junge Generation nicht auf sich sitzen lassen: „Natürlich gibt es heute eine bessere Computertechnik, aber am Ende ist unser Eindruck beim Fahren wichtiger als die besten Messgeräte. Was in diesem Job immer noch zählt, sind Gefühl und Leidenschaft für Autos“, verteidigt sich Sanna. „Und die Ingenieure vertrauen unserem Instinkt – wenn er etwas anderes sagt als der Computer, dann nehmen wir die Entwickler eben mit auf eine Probefahrt.“ ![]() ![]() GEFÜHL FÜR „LA MACCHINA“ Vorbei an Zypressen und Bauernhöfen, durch romantische Alleen und historische Stadtkerne geht es zurück zur Lamborghini Zentrale. Lustvoll kreischend, jagt der Miura durch die fünf Gänge, die Balboni blitzschnell über die Kulissenschaltung einlegt. „Sonst werden die Zündkerzen schmutzig“, scherzt er, als er erneut beherzt auf das Gaspedal tritt. Die Testfahrerlegende hat miterlebt, wie Lamborghini von einer Fabrik mit 80 Mitarbeitern zu einem modernen Unternehmen mit über 1.000 Angestellten gewachsen ist. Heute ist die Marke mit dem Stier im Logo auf dem besten Weg, der profitabelste Supersportwagen-Hersteller der Welt zu werden. Und die Strategie ist weiter auf Wachstum ausgerichtet: Ab diesem Frühjahr will Lamborghini beispielsweise von Mexiko aus den südamerikanischen Markt erobern. KEIN GEDANKE AN RENTE WEITERE INFORMATIONEN: ![]() DER BESTE JOB DER WELT LAMBORGHINI TESTFAHRER VALENTINO BALBONI
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