Weltweite Automobilkonjunktur schwächt sich ab

Nach dem Zulassungsrekord im Vorjahr verringerten sich die weltweiten Pkw-Verkäufe im Jahr 2008 um 5,8 % auf 55,7 Mio. Fahrzeuge. Die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise waren im Jahresverlauf zunehmend spürbar geworden und mündeten, auch wegen der angespannten Lage an den Kreditmärkten, in eine immer deutlichere Kaufzurückhaltung bei den Verbrauchern. Verschärft wurde diese Entwicklung durch den massiven Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise im ersten Halbjahr. Überdurchschnittliche Rückgänge wiesen dabei insbesondere die Regionen Nordamerika und Westeuropa sowie der südafrikanische Markt auf. Dagegen hielt die positive Entwicklung der Pkw-Nachfrage in Zentral- und Osteuropa, Südamerika sowie Asien-Pazifik zunächst weiter an, verlor aber in der zweiten Jahreshälfte deutlich an Dynamik. Die Weltautomobilproduktion reduzierte sich im Geschäftsjahr 2008 um 3,9 % auf 69,2 Mio. Einheiten, davon entfielen 57,5 Mio. auf Pkw (–4,8 %).

Nordamerika

In Nordamerika lag das Marktvolumen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen im Berichtsjahr deutlich unter dem des Vorjahres (–15,9 %). Auf dem von der Finanzkrise besonders schwer getroffenen US-amerikanischen Automobilmarkt verzeichneten die Fahrzeugverkäufe mit einem Rückgang auf 13,2 Mio. Einheiten (–18,0 %) sogar das geringste Niveau seit 1992. Die Kaufzurückhaltung infolge des stark erschütterten Verbrauchervertrauens und der Schwierigkeiten bei der Kreditbeschaffung führten insbesondere im Segment der leichten Nutzfahrzeuge zu einem drastischen Einbruch um –24,7 % auf 6,5 Mio. Einheiten. Die Einbußen bei den Pkw-Neuzulassungen auf 6,8 Mio. Fahrzeuge (–10,4 %) fielen dagegen geringer aus.

In Kanada nahmen die Verkäufe im Berichtszeitraum leicht um 1,1 % auf 1,6 Mio. Fahrzeuge ab. In Mexiko verringerte sich das Nachfragevolumen im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 % auf 1,0 Mio. Einheiten.

Südamerika/Südafrika

Die positive Marktentwicklung in der Region Südamerika hielt auch 2008 und damit im fünften Jahr in Folge an. Brasilien verzeichnete im Berichtsjahr einen neuen Höchststand bei den Fahrzeugverkäufen. Mit 2,7 Mio. neu zugelassenen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen (+14,1 %) wurde der bisherige Rekordwert aus dem Vorjahr nochmals deutlich übertroffen. Auch die Lkw-Verkäufe erreichten mit einem Zuwachs von 24,2 % auf 122 Tsd. Einheiten gegenüber 2007 eine neue Bestmarke. Dagegen unterschritten die Exporte mit 734 Tsd. Fahrzeugen den Vorjahreswert um 7,0 %. In Argentinien übertraf das Pkw-Gesamtmarktvolumen mit 429 Tsd. Einheiten ebenfalls den bisherigen Spitzenwert aus dem Vorjahr (+6,7 %). Vor allem aufgrund hoher Leitzinsen sowie einer gestiegenen Inflation verringerte sich die Nachfrage in Südafrika deutlich auf 329 Tsd. Pkw (–24,3 %).

AUSLIEFERUNGEN DES VOLKSWAGEN KONZERNS NACH MONATEN
in Tsd. Fahrzeuge
Auslieferungen des Volkswagen Konzerns nach Monaten in Tsd. Fahrzeuge (Liniendiagramm)

Asien-Pazifik

Im asiatisch-pazifischen Raum setzte sich das Nachfragewachstum auch im abgelaufenen Geschäftsjahr fort. In China, dem zweitgrößten Automobilmarkt der Welt, wurden im Berichtszeitraum 5,5 Mio. Pkw (+7,8 %) neu zugelassen. Die Dynamik des chinesischen Pkw-Marktes hat sich jedoch insbesondere wegen höherer Kraftstoffpreise und inflationsdämpfender Maßnahmen im Jahresverlauf deutlich verlangsamt. In Japan schwächte sich das Marktvolumen auch 2008 weiter ab: Mit 4,2 Mio. Pkw wurde das Vorjahresniveau um 3,9 % unterschritten. Die gesamten Neuzulassungen fielen im Berichtsjahr auf den niedrigsten Stand seit 1980. Auf dem indischen Pkw-Markt stieg das Verkaufsvolumen im Vergleich zum Vorjahr leicht um 2,1 % auf 1,2 Mio. Pkw. Wachstumsdämpfend wirkten sich die gestiegenen Kreditzinsen und die hohe Inflation aus.

Europa/Übrige Märkte

Im Berichtszeitraum verringerte sich die Pkw-Nachfrage in Westeuropa um 8,4 % auf 13,6 Mio. Fahrzeuge. Der Anteil der Dieselfahrzeuge blieb mit annähernd 53 % (53,3 %) aufgrund gestiegener Kraftstoffpreise auf dem hohen Vorjahresniveau. Drastische Verkaufsrückgänge verzeichneten die von der Finanzkrise besonders betroffenen Volumenmärkte Spanien (–28,1 %), Italien (–13,4 %) und Großbritannien (–11,3 %). In Frankreich (–0,7 %) verhinderten die zu Jahresbeginn eingeführten steuerlichen Anreize zum Kauf von Fahrzeugen mit niedrigem CO2-Ausstoß größere Markteinbußen. In Zentral- und Osteuropa nahmen die Pkw-Neuzulassungen dagegen nochmals zu, jedoch ließ hier die Wachstumsdynamik in der zweiten Jahreshälfte deutlich nach. Hauptwachstumsträger waren wie im Vorjahr Russland (+15,5 %) und die Ukraine (+14,9 %). Die Pkw-Märkte der zentraleuropäischen EU-Länder verzeichneten einen Rückgang um 2,6 %. In der Türkei lagen die Pkw-Verkäufe im Berichtszeitraum merklich unter dem Vorjahreswert (–14,4 %).

Deutschland

Im Jahr 2008 blieb der Automobilmarkt in Deutschland mit 3,4 Mio. Kraftfahrzeugen um 1,6 % hinter seinem Vorjahresvolumen zurück. Während Neuzulassungen bei Nutzfahrzeugen mit 335 Tsd. (+0,3 %) wieder das hohe Vorjahresniveau erreichten, sank die Pkw-Nachfrage um 1,8 % auf 3,1 Mio. Fahrzeuge und damit auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Hauptursachen für diesen Rückgang waren vor allem die hohen Kraftstoffpreise und die Verunsicherung der Kunden aufgrund der Finanzkrise und der angekündigten CO2-basierten Kraftfahrzeugsteuer. Die Neuzulassungen von Lkw bis zu einem Gesamtgewicht von sechs Tonnen stiegen um 0,9 % auf 224 Tsd. Einheiten. Die Nachfrageschwäche im In- und Ausland führte bei den deutschen Herstellern sowohl bei der Inlandsproduktion (–2,7 % auf 6,0 Mio. Automobile) als auch im Export (–3,5 % auf 4,5 Mio. Automobile) zu einem Rückgang gegenüber den Rekordwerten des Vorjahres.

 

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