Finanzrisiken

Der Vorstandsausschuss für Liquidität und Devisen (VALD) genehmigt Risikolimite, zulässige Finanzinstrumente, Sicherungsverfahren sowie Absicherungshorizonte. Das Risikomanagement liegt im Verantwortungsbereich der Konzern-Treasury. Der Konzernvorstand wird regelmäßig über die aktuelle Risikosituation informiert.

Die Ausübung unserer Geschäftstätigkeit birgt Finanzrisiken, die sich aus der Veränderung von Zinssätzen, Währungskursen und Rohstoffpreisen sowie Fondspreisen ergeben können. Wir managen diese Risiken durch den Einsatz originärer und derivativer Finanzinstrumente. Der Abschluss von Finanzgeschäften unterliegt in Bezug auf das Geschäftsvolumen je Kontrahent einer internen Limitierung, um das Ausfallrisiko durch Diversifizierung zu begrenzen. Bei der Limitierung werden verschiedene Bonitätskriterien herangezogen, unter anderem das von unabhängigen Agenturen vergebene Rating und die Eigenkapitalausstattung der möglichen Kontrahenten. Das Zins- und Währungsmanagement erfolgt im Wesentlichen zentral durch den Bereich Konzern-Treasury. Zinsrisiken und Risiken aus Wertschwankungen von Finanzinstrumenten im Konzern sichern wir durch den Abschluss von Zinsswaps, kombinierten Zins-Währungs-Swaps sowie sonstigen Zinskontrakten betrags- und fristenkongruent ab. Dies trifft auch auf Finanzierungen innerhalb des Volkswagen Konzerns zu.

Währungsrisiken reduzieren wir in erster Linie durch das „Natural Hedging“, das heißt, indem wir die Belegung der Produktionskapazitäten an unseren weltweiten Standorten flexibel anpassen und neue Produktionsstätten in den wichtigsten Währungsregionen, aktuell etwa in Indien, Russland und den USA, aufbauen. Das verbleibende Währungsrisiko sichern wir durch den Einsatz von Financial-Hedge-Instrumenten ab. Das sind unter anderem Devisentermingeschäfte, Devisenoptionen sowie kombinierte Zins- und Währungsswaps. Mit diesen Geschäften begrenzen wir das Währungsrisiko erwarteter Zahlungsströme aus der operativen Geschäftstätigkeit und konzerninternen Finanzierungen in Währungen, die von der jeweiligen funktionalen Währung abweichen. Diese Kontrakte können eine Laufzeit von bis zu fünf Jahren haben. Wir sichern damit den Euro vor allem gegenüber dem US-Dollar, dem britischen Pfund, dem mexikanischen Peso, dem russischen Rubel, der schwedischen Krone, der tschechischen Krone sowie dem Schweizer Franken und dem japanischen Yen ab. Aus diesen acht Währungen ergibt sich das wesentliche Fremdwährungsrisiko aus erwarteten Zahlungsströmen. Aus dem Einkauf von Rohstoffen entstehen Risiken bezüglich der Verfügbarkeit und der Preisentwicklung. Diese Risiken begrenzen wir insbesondere durch den Abschluss von Termingeschäften. Einen Teil unseres Bedarfs an Rohstoffen wie Aluminium, Kupfer, Platin, Rhodium und Palladium haben wir durch entsprechende Kontrakte über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren abgesichert. Weitere Absicherungen, beispielsweise für CO2-Zertifikate und Kohle, wurden im Jahr 2008 hinzugenommen.

Liquiditätsrisiken

Die jederzeitige Zahlungsfähigkeit des Unternehmens stellen wir durch ausreichende Vorhalteliquidität, Verfügbarkeit von bestätigten Kreditlinien sowie durch unsere bewährten Geld- und Kapitalmarktprogramme sicher.

Den Kapitalbedarf für das wachsende Finanzdienstleistungsgeschäft decken wir überwiegend durch fristenkongruente Fremdkapitalaufnahmen an den nationalen und internationalen Finanzmärkten. Seit Beginn der Finanzkrise haben sich die Refinanzierungskosten deutlich erhöht. Aufgrund der breiten Diversifizierung der Refinanzierungsstruktur konnten wir in den verschiedenen Märkten jedoch weiterhin ausreichend Liquidität beschaffen. Beispielsweise konnte die Volkswagen Bank GmbH im Oktober 2008 trotz des schwierigen Marktumfelds die ABS-Transaktion „Driver VI“ mit einem Volumen von 1,0 Mrd. € erfolgreich platzieren.

Kreditlinien von Banken werden im Konzern grundsätzlich nur für den kurzfristigen Bedarf im Working Capital in Anspruch genommen. Für Projektfinanzierungen nutzen wir unter anderem zinsgünstige Darlehen, die uns von Förderbanken wie der Europäischen Investitionsbank oder der European Bank for Reconstruction and Development (EBRD) beziehungsweise nationalen Entwicklungsbanken wie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder der Brazilian National Economic and Social Development Bank (BNDES) zur Verfügung gestellt werden. Aufgrund dieser umfangreichen Maßnahmen ist ein Liquiditätsrisiko für den Volkswagen Konzern äußerst gering. Darüber hinaus haben die Volkswagen Financial Services AG und die Volkswagen Bank GmbH beim Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) jeweils einen Garantierahmen für die Refinanzierung ihres Finanzdienstleistungsgeschäfts beantragt.

Die Konditionen der Außenfinanzierung für den Volkswagen Konzern könnten durch eine Herabstufung des Ratings beeinträchtigt werden. Sowohl das Rating der Volkswagen AG als auch das der Volkswagen Financial Services AG sind jedoch unverändert stabil. Das lang- und kurzfristige Rating der Volkswagen Bank GmbH liegt nach wie vor bei Standard & Poor’s und bei Moody’s Investors Service eine Stufe über den Ratings der Volkswagen AG und der Volkswagen Financial Services AG. Moody’s Investors Service hob den Ausblick für die langfristigen Ratings der Volkswagen AG und der Financial Services AG 2008 von „stabil“ auf „positiv“ an und würdigte damit die weiter verbesserten Finanzkennzahlen und Geschäftsaussichten des Volkswagen Konzerns. Der Ausblick für das Rating der Volkswagen Bank GmbH wird von Moody’s Investors Service unverändert als „stabil“ eingestuft. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2009 hat Standard & Poor’s den Ausblick der Bank auf „negativ“ herabgesetzt. Die aktuellen Rating-Einschätzungen für die Volkswagen AG, die Volkswagen Financial Services AG und die Volkswagen Bank GmbH sowie Informationen zu unseren Neuemissionen auf dem Kapitalmarkt im Geschäftsjahr 2008 finden Sie im Kapitel Aktie und Anleihen.

Der Bereich Treasury der Volkswagen Financial Services AG stellt die Liquiditätsversorgung für den Konzernbereich Finanzdienstleistungen sicher und steuert die Kredit- und Ausfallrisiken sowie die Marktpreisrisiken. Die Verantwortung für die Bewertung, Analyse und Überwachung marktrisikobehafteter Positionen liegt im Bereich Risikocontrolling.

Unsere Sicherungspolitik, die Sicherungsrichtlinien, Ausfall- und Liquiditätsrisiken sowie die Quantifizierung der genannten Sicherungsgeschäfte erläutern wir im
Anhang. Außerdem stellen wir dort die Marktpreisrisiken im Sinne von IFRS 7 dar.

Restwertrisiken im Finanzdienstleistungsgeschäft

Um Marktchancen wahrnehmen zu können, verpflichten wir uns im Finanzdienstleistungsgeschäft selektiv, Fahrzeuge zu einem bei Vertragsbeginn festgelegten Restwert zurückzukaufen. Diese Leasingverträge bewerten wir in regelmäßigen Abständen. Sind Risikopotenziale vorhanden, treffen wir die nötige Vorsorge.

Das Management der Restwertrisiken basiert auf einem festgelegten Regelkreis, der eine vollständige Risikobeurteilung, -überwachung, -steuerung und -kommunikation sicherstellt. Die Art der Prozessgestaltung gewährleistet neben einem professionellen Restwertrisikomanagement auch, dass der Umgang mit Restwertrisiken systematisch verbessert und weiterentwickelt wird.

Im Rahmen der Risikosteuerung überprüfen wir mithilfe von Restwertprognosen regelmäßig die Angemessenheit der Risikovorsorge sowie das Restwertrisikopotenzial. Dabei werden den vertraglich vereinbarten Restwerten erzielbare Marktwerte gegenübergestellt, die aus den Daten externer Provider und aus eigenen Vermarktungsdaten generiert werden. Restwertchancen bleiben in der Risikovorsorgebildung unberücksichtigt.

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