Beschaffung

Im Geschäftsjahr 2008 hießen die Herausforderungen der Beschaffung vor allem stark gestiegene Rohstoffpreise, Optimierung der Kapazitäts- und Versorgungssituation der Kaufteile sowie Erschließung neuer Märkte. Wie in den Vorjahren stand außerdem die Weiterentwicklung des Lieferantenmanagements im Hinblick auf die Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen im Mittelpunkt unserer Beschaffungsaktivitäten. Darüber hinaus haben wir das 2007 eingeführte Kaufteile-Management auf weitere Regionen und Länder ausgedehnt.

Herausforderung hohe Rohstoffkosten

Der weltweite Anstieg der Rohmaterialpreise hat sich im Jahr 2008 fortgesetzt. Die ohnehin schon rasante Entwicklung beschleunigte sich insbesondere im ersten Halbjahr; sie wurde maßgeblich vom erheblichen Anstieg der Eisenerzpreise bestimmt.

Volkswagen hat schon frühzeitig damit begonnen, der angespannten Situation auf dem Rohstoffmarkt mit gezielten Strategien zu begegnen und setzt diesen Weg konsequent fort. In Zukunft steht dabei die strategische Ausrichtung des Lieferantenportfolios im Mittelpunkt. Unsere lokalen Engagements in Indien, Russland und den USA spielen hierbei eine besondere Rolle.

Kapazitäts- und Versorgungssituation bei Kaufteilen

Die Kapazitäts- und Versorgungssituation bei den Kaufteilen entwickelte sich im Jahr 2008 sehr positiv und brachte uns eine höhere Flexibilität als im Vorjahr. Das ist vor allem auf die neu aufgebauten Planungs- und Entscheidungsprozesse sowie neue, konzernweit installierte Systeme zur Kapazitätsplanung und -sicherung zurückzuführen. Trotz gestiegener Produktionsvolumina konnte die Zahl versorgungskritischer Teile reduziert werden. Diesen erfolgreichen Weg werden wir weiter ausbauen, um die weltweiten Teileströme zukünftiger Projekte abzusichern. Der Ansatz soll auf alle Standorte – sowohl die bestehenden als auch die im Aufbau befindlichen neuen Standorte – übertragen werden.

Konsequente Erschließung neuer Märkte

Für die Konzernbeschaffung bedeuten die neuen Fertigungsstandorte in Indien, Russland und den USA eine doppelte Chance: Zum einen können wir durch unsere lokalen Beschaffungsaktivitäten – neben der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben (unter anderem Local-Content-Anforderungen) – Kostenvorteile identifizieren und Kosten reduzieren. Zum anderen können die dortigen Lieferanten auch für andere Regionen eine günstige Bezugsquelle sein. Beide Chancen werden bei den Beschaffungsaktivitäten für die neuen Werke sorgfältig geprüft. Um die Materialkosten unserer Produkte in neuen Wachstumsmärkten zu optimieren, nutzen wir für die Produktion intensiv die jeweiligen Märkte. Hier gilt es unter anderem zu prüfen, inwieweit Spezifikationen den lokalen Anforderungen angepasst werden können. Eine höhere Wertschöpfungstiefe erreichen wir in diesen Märkten außerdem durch die Tiefenlokalisierung, das heißt, wir versuchen zum Beispiel, frühzeitig günstige Bezugsquellen für Rohmaterialien in den jeweiligen Regionen zu finden.

Das C3-Sourcing-Programm (Cost-Competitive-Countries-Sourcing) baut konsequent auf diesen Handlungsfeldern auf. Ziel des Programms ist, die Kostenvorteile in wettbewerbsfähigen Beschaffungsmärkten für europäische Fahrzeugprojekte nutzbar zu machen. Unter Beibehaltung unserer Qualitätsansprüche werden so Synergien der lokalen Produktion für den Export erschlossen und weiter ausgebaut. Integraler Bestandteil des Programms ist das Kaufteile-Management in den Regionen weltweit. Es begleitet Lieferanten an den einzelnen Konzernstandorten sowohl bei der Tiefenlokalisierung im jeweiligen Land als auch beim Export ihrer Bauteile in andere Länder zu weiteren Produktionsstandorten des Konzerns. Das C3-Sourcing-Programm trägt damit maßgeblich dazu bei, die Zielkosten neuer Fahrzeugprojekte zum Start der Serienproduktion zu erreichen.

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BESCHAFFUNGSVOLUMEN NACH MARKEN* UND MÄRKTEN

 

 

Mrd. €

 

2008

 

2007

 

%

*

Aufgrund des Konsolidierungszeitpunkts von Scania wurde 2008 das Beschaffungsvolumen von Scania nicht einbezogen.

Volkswagen Pkw

 

44,5

 

41,8

 

+6,2

Audi (inkl. Lamborghini)

 

19,8

 

18,7

 

+5,5

Škoda

 

5,0

 

5,0

 

+1,7

SEAT

 

3,2

 

3,6

 

–9,3

Bentley

 

0,6

 

0,6

 

+3,8

Volkswagen Nutzfahrzeuge

 

2,3

 

2,3

 

+1,6

Volkswagen Konzern

 

75,4

 

72,0

 

+4,8

Europa/Übrige Märkte

 

58,4

 

56,7

 

+3,1

Nordamerika

 

3,0

 

3,2

 

–7,1

Südamerika/Südafrika

 

6,0

 

5,1

 

+17,8

Asien-Pazifik

 

8,0

 

7,0

 

+14,7

Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen

Im Zusammenhang mit der Integration des Nachhaltigkeitsleitbildes in die Prozesse und Strukturen des Volkswagen Konzerns ist es Aufgabe der Beschaffung, die Werte des Umweltschutzes und die Wahrnehmung sozialer Verantwortung im Sinne der Unternehmenspolitik auf das Lieferantenmanagement zu übertragen. Neben der Kernaufgabe, Wettbewerb unter den Lieferanten zu erzeugen und Produkte wie auch Dienstleistungen kostenoptimal zu generieren, darf der Anspruch, die Umwelt zu schützen und die internationalen Menschenrechte zu achten, nicht aufgegeben werden. Dieses Ziel kann nur durch gemeinsames Handeln mit den Geschäftspartnern erreicht werden.

Für uns ist es deshalb wichtig, dass Lieferanten nicht nur einwandfreie Qualität liefern, sondern sich weltweit auch an ökologischen und sozialen Mindeststandards orientieren. Um der Herausforderung Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen zu begegnen, hat die Beschaffung – im Dialog mit unseren Geschäftspartnern und mit wissenschaftlicher Unterstützung – ein Konzept zur Integration von Umwelt- und Arbeitsschutzkriterien sowie sozialen Rechten in das globale Beschaffungsmanagement entwickelt. Das Konzept umfasst vier wesentliche Bausteine: die Nachhaltigkeitsanforderungen für Lieferanten, ein Früherkennungssystem zur Risikominimierung, eine Kenntnisnahme mit Selbstcheck sowie einen Monitoring- und Lieferantenentwicklungsprozess. Dieses Konzept ist bereits seit 2006 in unseren Geschäftsprozessen verankert und wird seit dem Jahr 2008 verstärkt in unseren Marken und Regionen angewandt. Den Anfang der Umsetzung der Nachhaltigkeitsanforderungen für Lieferanten in den Regionen markiert das entsprechende Pilotprojekt in China.

Kaufteile-Management sichert Qualität

Im Jahr 2008 wurde neben dem Passat CC und dem neuen Scirocco auch die sechste Generation des Golf in den Markt eingeführt. Eine besondere Herausforderung stellte dabei die sehr steile Anlaufkurve zu Produktionsbeginn des neuen Golf dar. Unsere Projekteinkaufsorganisation meisterte diese Aufgabe im Zusammenspiel mit dem neu entwickelten Kaufteile-Management, das sich aus einem Team von Mitarbeitern der Beschaffung und Qualitätssicherung zusammensetzt. Das Konzept eines solchen fachkompetenten Teams, das bereits ab dem Zeitpunkt der Entscheidung für einen Lieferanten hinzugezogen wird, wurde in diesem Jahr auch weltweit auf die anderen Marken und Regionen ausgedehnt und damit fest in unserer Organisationsstruktur verankert.

Beschaffungsvolumen gestiegen

Im Berichtszeitraum stieg das Beschaffungsvolumen des Volkswagen Konzerns gegenüber dem Vorjahr um 4,8 % auf 75,4 Mrd. €. Auf die inländischen Zulieferer entfiel ein Anteil von 48,0 (49,7) %.

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