Auf der Umweltschiene

SEAT transportiert Neuwagen aus dem Werk Martorell neuerdings mit dem Zug in den Hafen von Barcelona. Das innovative Projekt schont die Umwelt und verringert die Staugefahr. 25.000 Lkw-Transporte pro Jahr verlagert der spanische Autobauer so auf die Schiene. Für die katalanische Landesregierung hat die Initiative Vorbildcharakter, und SEAT arbeitet bereits an Folgeprojekten.
SEAT Ibiza (Foto)

Über die große Rampe hinweg rollen die Ibizas, Leons oder Cordobas zügig zu ihren Stellplätzen auf dem SEAT Autozug. Knapp 400 Meter ist er lang, mit Platz für 170 Fahrzeuge. Zwei- bis dreimal täglich zieht eine Diesellok die leeren Waggons auf das SEAT Werkgelände in Martorell. Einige Stunden später geht es dann fahrplanmäßig und vollbeladen auf die einstündige Tour in den Hafen von Barcelona. Von dort werden die nagelneuen SEAT Modelle in alle Welt verschifft.

Manuel Medina steht an den Gleisen und betrachtet den Ladevorgang. „Ich komme immer wieder gerne her“, sagt er, „hier steckt eine Menge Herzblut drin“. Medina, Verantwortlicher für Planung Distribution, gehört zum harten Kern derjenigen, die das Zugprojekt von Anfang an begleitet haben – auch gegen Skepsis: „Als wir unseren Plan bei der Hafenbehörde vorstellten, mussten wir eine Menge Überzeugungsarbeit leisten.“ Mittlerweile haben die Verantwortlichen im Hafen ihre Haltung geändert. Für die Initiative, den Neuwagentransport zwischen dem Werk in Martorell und dem Hafen in Barcelona von der Straße auf die Schiene zu verlegen, erhielt SEAT inzwischen sogar den Preis „Herausragender Verlader 2008“. Es war bereits der zweite Preis, den SEAT mit dem neuen Autozug errungen hatte: Schon 2007 wurde das Vorhaben – damals noch im Bau – auf der Internationalen Logistik-Messe SIL in Barcelona als „Beste Logistik-Initiative“ des Jahres ausgezeichnet. Beide Preise nahm SEAT Logistik-Direktor Juan Ramón Rodríguez González entgegen. „Wir waren Pioniere auf dem Gebiet“, sagt Rodríguez, „weil wir an das Potenzial der Bahn als ökologisch sinnvolles Verkehrsmittel glauben.“ Er zeigt eine Karte von Barcelona und Umgebung. Darauf sind die zentralen Zugangsstraßen und deren Kapazitätsgrenzen hervorgehoben. Fast alle verzeichnen Werte von deutlich über 100 %. „Vor fünf Jahren“, erklärt Rodríguez, „haben unsere Lkw für die 70 Kilometer vom Werk bis in den Hafen und zurück mitunter acht Stunden gebraucht. Statt wie heute dreimal hin und zurück war oft schon nach einer Fahrt Schluss.“

„Wir haben der Regierung vorgerechnet, dass wir jährlich mehr als 25.000 LKW-Transporte von der Straße nehmen würden.“ Juan Ramón Rodríguez González, Direktor für Logistik bei SEAT (Zitat)
Juan Ramón Rodríguez González, Direktor für Logistik bei SEAT (Foto)

INVESTITIONEN IN HÖHE VON 6,8 MILLIONEN EURO
Schon immer verlief in unmittelbarer Nähe der SEAT Fertigung eine Bahnlinie der katalanischen Eisenbahngesellschaft FGC. Die Zuganbindung kam allerdings jahrelang nicht zustande, weil ein Zugang zum Werk fehlte und die einzige FGC-Trasse im Hafen für SEAT hergerichtet werden musste. Zusätzlich wurden neuartige Autotransportzüge für die katalanische Spurbreite gebraucht. Aber das war noch nicht alles: „Allgemein hieß es“, erinnert sich Rodríguez, „dass ein Schienentransport erst ab einer Streckenlänge von mindestens 400 Kilometern rentabel sei. Wir haben es hier lediglich mit gut 35 Kilometern zu tun.“ Von vornherein war den Logistikern bei SEAT deshalb klar, dass sie zur Unterstützung die Generalitat de Catalunya, die katalanische Landesregierung, mit ins Boot holen mussten. „Wir haben der Regierung vorgerechnet“, sagt Rodríguez, „dass wir jährlich mehr als 25.000 Lkw-Transporte von der Straße nehmen würden. Unser Trumpf war, dass es dadurch zu einer gewaltigen Verringerung des CO2-Ausstoßes käme und gleichzeitig der Verkehr sicherer und flüssiger würde.“

Nachdem die Behörden grünes Licht gaben, kamen die Eisenbahngesellschaft und die Hafenverwaltung hinzu. Schließlich waren sich alle einig und unterschrieben im Juni 2005 eine Investitionsvereinbarung. Die Hafenverwaltung übernahm die Kosten zur Erneuerung der Gleisanlagen auf ihrem Gelände, und SEAT bereitete im Inneren des Werkgeländes alles für den Gleisanschluss vor. Der Anschluss selbst wurde von der Generalitat finanziert, die Anschaffung der Waggons übernahm die FGC. Insgesamt beteiligten sich die Partner von SEAT mit 6,8 Millionen Euro an dem Projekt. Der erste Spatenstich erfolgte am 10. Januar 2007, und schon elf Monate später, am 15. Dezember, rollte der erste Probezug von Martorell Richtung Hafen.

800 t CO2-Reduzierung (Grafik)
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